Beitrag von

Br. Günter Timm (JL „Nordstern“ Rendsburg )

und

Br. Udo Keller ( JL „Zur Brudertreue an der Schwale“, Neumünster )

Johannisfest 16.06.2018 – Zwei Logen, eine Arbeit, ein lesenswerte Festrede

Um es vorwegzunehmen:

Es war eine würdevolle Arbeit zum Gedenken an unseren Schutzpatron.

Bereits seit einigen Jahren feiern die Johannislogen in Rendsburg und Neumünster das Johannisfest gemeinsam, immer im Wechsel des Austragungsortes. Der Gastgeber gestaltet die Tempelarbeit, die Tafelloge leiten die Gästebrüder, die Festrede wird vom Bruder Redner der Gäste den anwesenden Brüdern vorgetragen.

In diesem Jahr hatten wir „hohen Besuch“. Neben dem Wortführenden Andreasmeister der „Fortunata“ Kiel, Br. Bert Riecken, gab uns der neue Provinzialmeister von Schleswig-Holstein, Br. Georg Palm, die Ehre. Es war sein erster Logenbesuch seit seinem Amtsantritt am 10. Juni 2018 ( siehe auch Bericht in der ZK ). Da er ebenfalls ein Bruder aus Neumünster ist, war es quasi für ihn ein Heimspiel.

Der „Nordstern“-Logenmeister, Br. Karl Meier, begrüßte alle Brüder und Gäste im Tempel. Ein besonderer Höhepunkt war die Festrede des Br. Udo Keller. Diese Festrede – über unseren Schutzpatron Johannes, des Täufers – können Sie, liebe Brüder, nachstehend lesen.

Bei der anschließenden Tafelloge wurde in ritueller und geselliger Runde ( das eine schliesst das andere nicht aus), unter Leitung des „Schwale“-Logenmeisters, Br. Falko Schmidt, die Arbeit fortgesetzt. Launige und treffsichere Trinksprüche gaben den Brüdern viele Denkanstöße.

Diese gemeinsame Arbeit war wieder einer Höhepunkte des Logenjahres und wir haben uns bereits wieder für das kommende Jahr verabredet, dann in Neumünster.

Liebe Leser, wenn Sie mögen, besuchen Sie diese Arbeit gerne. Wir freuen uns auf Sie.

Im Juli 2018                Ega     Günter Timm und Udo Keller

Die aktiven Brüder der Tempelarbeit mit dem neuen PMvSH, Bruder Georg Palm

Nun die Festrede unseres Bruders Udo Keller

Hochwürdiger Meister, meine lieben Brüder,

das Johannisfest symbolisiert den längsten Tag des Jahres, die Sommersonnenwende.

Das allein kann aber noch nicht der Grund sein, als Freimaurer das Johannisfest zu feiern,

denn es gibt ja auf unserer Erde auch Brüder Freimaurer, für die diese Feststellung nicht gilt.

Doch das Streben nach Licht, und somit nach Erkenntnis, ist eines jeden Bruder Freimaurers Kernaufgabe, egal in welcher Region dieser Welt er sein Zuhause hat. Darum feiern wir Freimaurer alle gemeinsam um den 24. Juni herum das Johannisfest, ein fröhliches, ein leuchtendes Fest, das weltweit höchste Fest unserer Königlichen Kunst.

Wir feiern dieses Fest zu Ehren Johannes des Täufers, Schutzpatron aller Johannislogen, die daher auch diesen Zusatz vor ihrem Logennamen tragen.

Schon die alten Steinmetze hatten den Wegbereiter Christi als Schutzpatron.

Johannes rief die Menschen zur Umkehr auf, taufte sie im Jordan und bereitete sie auf die baldige Ankunft des Messias vor. Die Taufe kam einer rituellen Reinigung gleich, sollte ein Bekenntnis zu Buße und Umkehr sein. Sie wurde stark körperbetont und damit um ein Vielfaches intensiver vollzogen, ganz anders als die heutige christliche Praxis es vorsieht.

Schließlich zeigte sich auch Jesus von Nazareth unter den Anhänger Johannes des Täufers und ließ sich von ihm im Jordan taufen. Johannes selbst verwies darauf, nur mit Wasser zu taufen, doch Christus werde mit „Feuer und Geist“ taufen. Erst danach begann Jesus Christus, unser Obermeister, sein Werk in der Öffentlichkeit auszuüben.

Aber warum ist der Täufer Schutzpatron unserer Bruderschaft?

Er gilt uns Freimaurern als personifizierte Integrität. Unerschütterlich waren sein Glaube und seine Verpflichtung gegenüber Gott. Er war ein Cousin Jesu. Vor allem jedoch war er nicht nur sein Wegbereiter, sondern ihm vielmehr ein Vorbild an Unerschrockenheit, Mut, Klarheit und die personifizierte Wesenseinheit von Wort und Tat.

Im Matthäus-Evangelium heißt es:

„Wahrlich ich sage Euch: Unter allen, die von Weibern geboren sind, ist nicht aufgekommen, der größer sei denn Johannes der Täufer.“

Und Lukas schreibt:

„Denn ich sage Euch, dass unter denen, die von Weibern geboren sind, ist kein größerer Prophet denn Johannes der Täufer.“

Der besondere Ort seines Wirkens war die Wüste. In jener stillen und einsamen Gegend, in den Auen des Jordans, dort suchten ihn seine Jünger auf. Hier lebte der Heilige Täufer, war gekleidet in einfache Gewänder aus Kamelhaar. Er stand ganz und gar jenseits allen materiell-weltlichen Besitzes. Er lebte regelrecht den Gegensatz von Üppigkeit und sinnlichen Genüssen. Als Prophet vermochte er, die Menschen in der Tiefe ihrer Herzen zu erreichen und für Gottes frohe Botschaft zu gewinnen.

Für uns Brüder Freimaurer ein Vorbild!

Die Menschen kamen zu Johannes dem Täufer, um seiner Weisheit und seiner göttlichen Ermahnung zu Iauschen und sich eines besseren und strebsameren Lebens zu besinnen.

Wohlgemerkt: Die Menschen kamen zu ihm. Sie suchten ihn. Sie waren Suchende.

Er ging nicht von Ort zu Ort, um die Menschen für Gott zu gewinnen. Er tourte nicht wie ein vielleicht selbstverliebter Rockstar. Für damalige Verhältnisse war er wohl einer. Als wichtig erschien ihm das nie. Die Suchenden fanden ihn und kamen von selbst, um durch seine Predigten Trost und Kraft zu empfangen. Ein tiefes Bedürfnis nach Erkenntnis, nach Licht, führte sie auf die Suche nach innerem Frieden und persönlicher Vervollkommnung. Vielleicht war es auch Einsamkeit und der Wunsch, Brüder und Schwestern im Geiste zu finden.

In diesem Sinne war Johannes also kein Missionar, kein Prediger oder Sozialpädagoge, der versuchte, andere eines Besseren zu belehren.

Wenn er uns Ordensbrüdern bis heute als Schutzpatron gilt, wäre sein Tun falsch gedeutet, würde die Botschaft lauten, für etwas Position zu ergreifen bspw. im Kampf politischer oder religiöser Standpunkte. Das widerspräche komplett dem, was die Freimaurerei unter ritueller Arbeit und allgemeiner Lebensführung versteht. Jenem Werke am eigenen Rauen Stein und dem am Bau des Salomonischen Tempels.

Johannes dem Täufer war es gleich, ob das, was er sagte, Gefallen oder Missfallen fand.

Er sprach offen und ehrlich seine Ansichten, Meinungen und Gedanken aus und nannte konsequenterweise sein Urteil. Da unterschied er weder zwischen den Armen des Volkes noch ihren Königen, wie eben jenem gewaltigen Herodes, oder irgendwelchen Herkünften.

Trotz dass er sich damit in das Risiko eines schweren Martyriums begab, was ihm völlig klar war, hielt er unerschütterlich an seiner Überzeugung fest. Denn schonungslos wies er jene auf die inneren Makel ihres Lebens hin.

All ihre zur Schau gestellten, akribisch gepflegten, selbstverherrlichenden Bilder, ihre Social-Media-Profile, ihre Kulissen riss er nieder, enthüllte ihre wahren Gesichter – und damit ihre Selbstgerechtigkeit und Verlogenheit. Er zeigte ihnen den Spiegel, in welchem sie sich nicht mehr erkennen konnten. Viele von ihnen ließen sich anschließend von ihm taufen.

Deshalb erscheint uns Vertretern der modernen Freimaurerei Johannes der Täufer als vollkommener Heiliger. Deshalb sind wir Brüder einer Johannisloge.

Er verkörpert wie kein anderer Heiliger das Wesen der Arbeit in unserer Bruderschaft.

Er fordert uns zu Selbstreflexion und Wahrhaftigkeit auf. Er lässt uns nicht in die Rollen von Kommentatoren fliehen. Auch deshalb sind Diskussionen über aktuelle politische oder religiöse Inhalte unter uns Brüdern gerade unter dem Dach unseres Tempels unerwünscht und unangebracht.

Vielmehr ermahnt uns Johannes der Täufer, die Grundpfeiler der Freimaurerei nicht als etwas Selbstverständliches anzusehen. Zu diesem Johannisfest, meine lieben Brüder, ist es durchaus auch einmal wieder eine gute Idee und bestimmt sehr nützlich – für den Einzelnen und die Bruderschaft – darüber nachzudenken, wie wir künftig unsere allerbesten persönlichen Tugenden, jeder Bruder für sich, einbringen können, um diese Grundpfeiler vor Angriffen klug zu schützen, zu stärken, zu verschönern.

Meine lieben Brüder, das wichtigstes Symbol des Johannisfestes ist die Rose.

Sie dient der Menschheit schon seit Urzeiten als ein Zeichen für Liebe, Schönheit und Freude. Mit einer Rose aus Stein krönten die Steinmetze des Mittelalters den Bau als Zeichen der Vollkommenheit. So erfreuen wir uns an und schmücken uns heute mit ihr.

Möge dieses Zeichen nie verwelken, sondern alle Brüder Freimaurer ermutigen in ihrem Streben – und ihre Arbeit, wie immer, wo immer und unter welchen Umständen sie sie ausüben wollen, können oder müssen, krönen, meine lieben Brüder.

Lassen wir die Rose im strahlenden Lichte erblühen!

E. g. a.